{"id":3914,"date":"2013-01-18T09:51:48","date_gmt":"2013-01-18T07:51:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.f-sim.de\/?p=3914"},"modified":"2013-01-21T11:58:17","modified_gmt":"2013-01-21T09:58:17","slug":"von-deutschen-premiummarken-dem-trabant-und-hinkenden-vergleichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.f-sim.de\/?p=3914","title":{"rendered":"Von deutschen Premiummarken, dem Trabant und hinkenden Vergleichen"},"content":{"rendered":"<p align=\"left\">In seinem <a href=\"https:\/\/www.f-sim.de\/?p=3827#more-3827\">Bericht<\/a> \u00fcber das 6. Treffen der FDS-Usergroup in Berlin fasste Gregor J\u00e4ger die einzelnen Vortr\u00e4ge der Referenten zusammen und bewirkt zumindest mit dem Fazit eines Vortrages (&#8222;Validierungsrechnungen f\u00fcr ANSYS CFX und FDS anhand eines spezifischen Brandszenarios&#8220;) reges Erstaunen bei mir:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Am zweiten Tag berichtete <a title=\"Prof. Krause\" href=\"http:\/\/www.iaut.ovgu.de\/Lehrst\u00fchle\/Anlagentechnik+und+Anlagensicherheit\/Mitarbeiter\/Prof_+U_+Krause.html\" target=\"_blank\">Prof. Krause<\/a> (<a title=\"Institut f\u00fcr Apparate- und Umwelttechnik\" href=\"http:\/\/www.iaut.ovgu.de\/\" target=\"_blank\">Universit\u00e4t Magdeburg<\/a>) von Validierungsrechnungen mit den Programmen <a title=\"ANSYS CFX\" href=\"http:\/\/www.ansys.com\/Products\/Simulation+Technology\/Fluid+Dynamics\/ANSYS+CFX\" target=\"_blank\">ANSYS CFX<\/a> und <a title=\"FDS Projektseite\" href=\"http:\/\/www.fds-smv.net\" target=\"_blank\">FDS<\/a>. Gegenstand des im Rahmen der Masterarbeit von Herrn Rabe an der <a title=\"Beuth Hochschule\" href=\"http:\/\/www.beuth-hochschule.de\/\" target=\"_blank\">Beuth Hochschule f\u00fcr Technik<\/a> in Berlin durchgef\u00fchrten Vergleichs war die am <a title=\"NIST\" href=\"http:\/\/www.nist.gov\" target=\"_blank\">NIST<\/a> unter der Bezeichnung <em>Dunes 2000 Experiments<\/em> durchgef\u00fchrte Versuchsreihe (<a title=\"NIST TN 1455-1\" href=\"http:\/\/www.nist.gov\/customcf\/get_pdf.cfm?pub_id=910957\" target=\"_blank\">NIST TN 1455-1<\/a>). Aus den Ergebnissen der Untersuchung zog Prof. Krause die These, dass die heute zur Verf\u00fcgung stehenden Programme ANSYS CFX mit einem Fahrzeug der Marke Audi und das Programm FDS mit einem Auto der Marke Trabant vergleichbar sind.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p align=\"left\">Was f\u00fcr ein Fazit.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong><!--more--><\/strong><\/p>\n<p align=\"left\"><strong><br \/>\nIntention<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Mir stellen sich bei solch einem Fazit mehr Fragen, als dass ich Antworten bekommen h\u00e4tte:<\/p>\n<p align=\"left\">Was will uns Prof. Krause mit seinem Vortrag und dem (sicher absichtlich) provozierenden Fazit genau sagen?<\/p>\n<ul>\n<li>Vergleichbar mit einem B\u00fcrger der DDR hat jeder seri\u00f6se Brandschutzingenieur mit Interesse an numerischen Ingenieurmethoden des Brandschutzes nur eine Wahl: er nutzt FDS oder geht zu Fu\u00df (Handformeln oder Anwendung von rein deskriptiven Regelwerken) oder<\/li>\n<li>FDS hat f\u00fcr den Brandschutz das bewirkt, was etwa Henry Ford oder eben der Trabi im Osten geschafft hat: eine Demokratisierung der individuellen Fortbewegung, also dass jedem fachlich entsprechend ausgebildetem Ingenieur heute fortschrittliche numerische Werkzeuge zur Verf\u00fcgung stehen?<\/li>\n<\/ul>\n<p align=\"left\">Ich stimme beiden Aussagen (bedingt) zu, h\u00e4tte mir aber gew\u00fcnscht, dass beide Aussagen deutlicher vermittelt und begr\u00fcndet werden, da das Fazit sonst aufgrund seiner weitgehend undokumentierten Herleitung zu Missverst\u00e4ndnissen f\u00fchren kann. Ein Beispiel hierf\u00fcr?<\/p>\n<p align=\"left\">Ein Vertreter eines gro\u00dfen kommerziellen CFD-Programmpaketes k\u00f6nnte sich in seiner, bei jedem neuen Release wiederkehrenden, Werbeaussage best\u00e4tigt f\u00fchlen &#8222;<em>Jetzt noch bessere Ergebnisse in noch k\u00fcrzerer Zeit!<\/em>&#8222;<\/p>\n<p align=\"left\"><strong><br \/>\nVergleiche was zu vergleichen ist<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Das w\u00fcrde \u00fcbertragen auf den \u201eKrause&#8217;schen Vergleich\u201c bedeuten, dass Ansys CFX von 0 auf 100 km\/h in ca. 4,2 Sekunden beschleunigt (aktueller Audi S8), w\u00e4hrend FDS hierf\u00fcr knapp 25 s ben\u00f6tigt (Trabant).<\/p>\n<p align=\"left\">Ist FDS unter <em>vergleichbaren Randbedingungen<\/em> ca. 6 x langsamer als die gro\u00dfen kommerziellen CFD-Pakete? Fragw\u00fcrdig.<\/p>\n<p align=\"left\">In der Regel sind solche Benchmarks gro\u00dfer kommerzieller CFD-Programmpakete eher theoretischer Natur oder vergleichen gar die <a title=\"\u00c4pfel und Birnen\" href=\"https:\/\/www.f-sim.de\/?p=1186\">sprichw\u00f6rtlichen \u00c4pfel mit Birnen<\/a>. Ein kommerzieller Druck im Hintergrund ist hier kontinuierlich gegeben.<\/p>\n<p align=\"left\">Die ersten 64-bittigen Programmversionen wurden beispielsweise pauschal mit einem satten Geschwindigkeitsvorsprung gegen\u00fcber den 32-bittigen Versionen beworben, was sich erstmal bezweifeln l\u00e4sst. Tats\u00e4chlich wurde als Referenzbeispiel bspw. eine Simulation gew\u00e4hlt, die deutlich mehr als 4 GB RAM ben\u00f6tigte, wodurch 32-bittige Programmversionen von vornherein deutliche Nachteile aufwiesen. Als ausschlie\u00dflich 32-bittige Programmversionen zur Verf\u00fcgung standen, wurden solche Simulationen allerdings nicht als Referenzbeispiel f\u00fcr die eigenen Benchmarks gew\u00e4hlt, weil die Ergebnisse inakzeptabel schlecht gewesen w\u00e4ren und nichts \u00fcber die tats\u00e4chliche Leistungsf\u00e4higkeit der Solver ausgesagt h\u00e4tten.<\/p>\n<p align=\"left\">Ein weiteres Beispiel f\u00fcr \u201e<em>\u00c4pfel-und-Birnen<\/em>\u201c bzw. neue Fragen statt Antworten? In Ihrem Vortrag zum \u201e<a title=\"Workshop Brandschutzforschung\" href=\"https:\/\/www.f-sim.de\/?p=1383\">Workshop Brandschutzforschung<\/a>\u201c, der parallel zu den zweiten Magdeburger Brand- und Explosionsschutztagen gehalten wurde, &#8222;<em>Vergleich von Computational Fluid Dynamics-Programmen in der Anwendung auf Brandszenarien in Geb\u00e4uden<\/em>&#8220; Folie 11 [2] (der Vortrag basiert augenscheinlich auf derselben Arbeit von Herrn Frederik Rabe) wird beispielsweise bei einem Vergleich zwischen Ansys CFX und FDS bem\u00e4ngelt, dass der FDS&#8217;sche Str\u00f6mungsl\u00f6ser im Vergleich zu CFX keine Einstellm\u00f6glichkeiten der Solver-Parameter (zum Konvergenzverhalten?) bietet.<\/p>\n<p align=\"left\">Hier frage ich mich, was die Autoren uns damit sagen wollen? Bei einem direkten 2-Schritt-L\u00f6ser ist das eigentlich nicht verwunderlich, nicht negativ und schlicht eine Eigenschaft eines direkten L\u00f6sers. Zur Ehrenrettung: gemeint sein k\u00f6nnte das iterative L\u00f6sungsverfahren bei der Verwendung mehrerer MESHes in FDS, nur wurde das 1. nirgends dokumentiert und 2. stimmt die Aussage betreffend der fehlenden Parameter hier nicht (mehr).<\/p>\n<p align=\"left\"><strong><br \/>\nVoraussetzungen f\u00fcr eine Vergleichbarkeit<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Und hier kommen wir zu einem weiteren Kritikpunkt an wertenden Aussagen zu Ergebnissen von FDS-Simulationen:<\/p>\n<p align=\"left\">Werden die durchgef\u00fchrte Simulation und das als Vergleich dienende Experiment nicht vollst\u00e4ndig ver\u00f6ffentlicht (bspw. Original-Messreihen, Angaben zur Genauigkeit der Messungen mit statistischen Wahrscheinlichkeiten, Randbedingungen der durchgef\u00fchrten Experimente, Eingabedateien etc.), um eine \u00dcberpr\u00fcfbarkeit der verglichenen Simulationen bzw. Brandversuche zu erm\u00f6glichen, ist jede Aussage zur Qualit\u00e4t von FDS von vornherein kritisch zu hinterfragen und schlechtestenfalls als wertlos anzusehen. Warum? Genau genommen bedeuten die Ergebnisse des Vortrags nicht &#8222;<em>FDS ist ein Trabi, Ansys CFX ein Audi A8, Fluent ein 5er BMW&#8220;<\/em>, sondern in der vorgestellten Form nichts weiter als &#8222;<em>FDS f\u00e4hrt sich mit dem Team Krause-Rabe als Fahrer wie ein Trabi, Ansys CFX wie ein Audi A8<\/em>&#8222;. Das kann aber, bei allem Respekt, auch schlicht am Fahrer und seinem Copiloten liegen. Der Wert der getroffenen Aussage geht mit Blick auf die Qualit\u00e4ten von FDS gegen Null.<\/p>\n<p align=\"left\">Leider muss die Pr\u00e4sentation der Arbeit von Herrn Rabe durch Herrn Prof. Krause vor diesem Hintergrund kritisch hinterfragt werden:<\/p>\n<ol>\n<li>Das Darstellen von zwei Bildern nebeneinander als Auswertung der Ergebnisse ist f\u00fcr solch eine vernichtende Wertung, wie durch Herrn Prof. Krause vorgebracht, einfach nicht ausreichend. Um zu so einem Schluss zu kommen, muss man schon belastbare Zahlen liefern, um den vermuteten Fehler auch quantifizieren zu k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Die Auswertungen sind nicht ann\u00e4hernd ausreichend dokumentiert. Zu Beginn des Vortrags wird zumindest noch dokumentiert WAS und WIE hier \u00fcberhaupt gerechnet wird (LES, RANS, FDS mit einem MESH oder mehreren, welche Version wurde verwendet, welche anderen Randbedingungen wurden gesetzt). Kurz darauf geht der Vortragende gro\u00dfz\u00fcgig \u00fcber solche Kleinigkeiten hinweg.<\/li>\n<li>Die bebilderten Vergleiche sind im Wesentlichen Vergleiche zwischen FDS und CFX. Dies erlaubt lediglich die Aussage: FDS ist anders als CFX (oder eben CFX ist anders als FDS). Die Aussage A ist besser als B l\u00e4sst sich hierdurch allerdings nicht ableiten.<\/li>\n<li>Wenn man schon Bilder vergleichen will ohne eine belastbare quantitative Auswertung zu bieten, muss darauf hingewiesen werden, dass die grafischen Auswertungen teilweise weitgehend \u00fcbereinstimmen (Folien 10 und 11 [1]). Ein Fazit wie vorgetragen, l\u00e4sst sich daraus ganz gewiss nicht ableiten. Andersherum w\u00fcrde ich fragen: \u201e<em>Wenn mein Trabi in 5 Sekunden von Null auf 100 km\/h beschleunigt, lohnt dann die Investition von 120.000 \u20ac in einen Audi S8?<\/em>\u201c.<\/li>\n<li>Ein Highlight des Vortrages: der erste quantitative Vergleich auf Folie 19 des Vortrags [1]. 2 Diagramme, gleich mehrfach unterschiedlich skaliert, die Beschriftung der Messreihen in der Legende vertauscht, keine Mittelung der oszillierenden Werte (noch &#8222;<em>unvergleichbarer<\/em>&#8220; h\u00e4tte man die Ergebnisse eigentlich nur noch pr\u00e4sentieren k\u00f6nnen, wenn man Fahrenheit in einem Diagramm mit Kelvin im anderen verglichen h\u00e4tte) und dann die Kr\u00f6nung: die FDS-Simulationsergebnisse liegen teilweise deutlich n\u00e4her an den Messwerte als die von CFX.\n<p>Die Frage an den Vortragenden kann eigentlich nur noch lauten: &#8222;<em>Herr Prof. Krause, was wollen Sie uns genau sagen? Trabi schl\u00e4gt Audi?<\/em>&#8222;. Vielleicht st\u00f6rt sich der Vortragende aber auch an den Oszillationen (durch Anwesende wurde mir das berichtet) und nicht an den eigentlichen Simulationsergebnissen (die bei FDS genauer an den Messreihen liegen als bei Ansys CFX). Sollte dies tats\u00e4chlich das Ziel der ge\u00e4u\u00dferten Kritik sein, bin ich jetzt restlos verwundert. Die Messung der Temperatur in einer turbulenten Str\u00f6mung hei\u00dfer Gase kann in FDS \u00fcber den Befehl &amp;DEVC mit der Messgr\u00f6\u00dfe &#8218;TEMPERATURE&#8216; erfolgen. Hier gibt FDS schlichtweg auf direktem Weg die Gastemperatur aus und dass die in Grenzbereichen zwischen hei\u00dfem und k\u00fchlem Fluid durchaus oszillieren kann, sollte unstrittig sein.<br \/>\nDass Messergebnisse in Realit\u00e4t nicht diese Schwankungen aufweisen, hat einen anderen Grund: Messf\u00fchler haben eine Masse und die erw\u00e4rmt sich eben langsamer, wodurch Oszillationen ausgefiltert werden (siehe die untenstehende Abbildung).<a href=\"https:\/\/www.f-sim.de\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/DEVC_Thermocouple.png\"><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" title=\"Messreihen\" src=\"https:\/\/www.f-sim.de\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/DEVC_Thermocouple_klein.png\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"238\" \/><\/a><\/p>\n<p>Durch die einfache Nutzung der Zielgr\u00f6\u00dfe &#8222;THERMOCOUPLE&#8220; werden das &#8222;<em>Problem<\/em>&#8220; behoben und physikalische &#8222;<em>korrekte<\/em>&#8220; Ergebnisse angezeigt. Dar\u00fcber hinaus fallen mir auf Anhieb noch einige andere L\u00f6sungen f\u00fcr dieses &#8222;<em>Problem<\/em>&#8220; ein, angefangen bei der Nutzung der FDS&#8217;schen Statistik-Funktionen, geometrischer Mittelwertbildung bis hin zur Anwendung von entsprechenden Funktionen in Tabellenkalkulationsprogrammen o. \u00e4.<br \/>\nDas alles soll hier aber keine Rolle mehr spielen. Vielmehr stellt sich mir hier nur noch eine Frage: Gemessen an so einem vernichtenden Fazit, handelt es sich hier wirklich um einen Fehler in FDS oder hat vielleicht der Nutzer nicht die n\u00f6tige Sorgfalt bei der Auswertung und Eingabe walten lassen? Ich lasse die Frage unbeantwortet.<\/li>\n<li>Auf Folie 22 [1] wird OpenFOAM (so wird es \u00fcbrigens richtig geschrieben) noch als Ersatzteillager dargestellt, auf Folie 26 [1] dann stolz in der eigenen Anwendung pr\u00e4sentiert.<\/li>\n<li>Wie kommt es eigentlich zu der Bewertung von Fluent als BMW 5er Limousine auf Folie 22 [1]? Der gesamte Vortrag enth\u00e4lt keine einzige Aussage zu Fluent.<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>FDS im Vergleich zu anderen Programmpaketen<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Vielleicht wollte der Vortragende aber auch etwas ganz anderes zum Ausdruck bringen: &#8222;<em>Ansys CFX ist weder schneller noch qualitativ besser im Bereich der Brandsimulation, aber es ist deutlich komfortabler!<\/em>&#8222;. Dieser Aussage kann man einerseits eine gewisse Rechtfertigung nicht absprechen, andererseits ist sie weitgehend trivial (und leider ebenfalls noch nicht einmal dargelegt). Aussagen wie \u201e<em>Smokeview retro<\/em>\u201c Folie 23 [1] k\u00f6nnten spielend gekontert werden mit dem Gegenargument \u201e&#8217;Validierungsrechnungen f\u00fcr ANSYS CFX und FDS anhand eines spezifischen Brandszenarios&#8216; sehr retro&#8220; \ud83d\ude42 (Der Leser m\u00f6ge mir hier meine flapsige \u00c4u\u00dferung verzeihen, aber in diesem Stil kommen wir wirklich nicht weiter.). Die Kritik an Smokeview ist au\u00dferdem technisch falsch. Smokeview ist aus meiner Sicht ein guter und vor allem exakt auf FDS und die Bed\u00fcrfnisse von Brandschutzingenieuren ausgelegter Postprocessor. Glenn Forney arbeitet kontinuierlich an einer Verbesserung von Smokeview und Verbesserungsvorschl\u00e4ge werden teilweise binnen weniger Tage eingearbeitet. In Wirklichkeit zielt Prof. Krauses\u00b4 Kritik (wenn man &#8222;retro&#8220; \u00fcberhaupt noch als Kritik bezeichnen will) wohl auf GLUT (das &#8222;OpenGL Utility Toolkit&#8220;), mit dem die grafische Oberfl\u00e4che Smokeviews umgesetzt wurde. Glenn Forney wei\u00df um das Thema und <a title=\"Smokeview Roadmap\" href=\"http:\/\/code.google.com\/p\/fds-smv\/wiki\/Smokeview_Road_Map\">plant selber die Implementierung eines leistungsf\u00e4higen Ersatzes zu GLUT<\/a>.<\/p>\n<p align=\"left\">Die FDS-Entwickler beschr\u00e4nken sich selber auf das Entwickeln des eigentlichen Simulationskerns und eines Postprocessors, ausdr\u00fccklich nicht auf einen Preprocessor und die Ingenieure der ehemaligen DDR mussten den Trabant unter den Randbedingungen einer kommunistischen Marktwirtschaft mit dem Ziel der Mobilisierung eines ganzen Landes entwickeln, nicht mit einem luxuri\u00f6sen Sportwagen im Hinterkopf. Im Widerspruch zu der oben vermuteten Kernaussage des Vortrags zeigt das Autoren-Team Rabe\/Prof. Krause dann in seinem Vortrag [2] wieder Screenshots von Pyrosim. Ist das Modellieren von Simulationen mit FDS also doch nicht ganz so unkomfortabel wie auf Folie 23 [1] dargestellt (<a href=\"http:\/\/code.google.com\/p\/fds-smv\/wiki\/Third_party_Tools\">http:\/\/code.google.com\/p\/fds-smv\/wiki\/Third_party_Tools<\/a>)?<\/p>\n<p align=\"left\">Es ist unstrittig, dass die gro\u00dfen kommerziellen CFD-Programmpakete in vielen Bereichen deutliche Vorteile gegen\u00fcber FDS bieten. Nur war und ist es eben niemals das Ziel der FDS-Entwickler gewesen, in allen Bereichen konkurrieren zu wollen. Hier vergleicht der Vortrag schon nicht mehr einen Audi mit einem Trabant, sondern bspw. ein Flugzeug mit einem Auto und kommt zum Schluss: &#8222;<em>Das Auto an sich ist unterlegen, denn es kann nicht fliegen!<\/em>&#8222;.<\/p>\n<p align=\"left\">Andererseits hat FDS in dem Gebiet auf dem es konkurrieren will, durchaus Vorteile gegen\u00fcber den gro\u00dfen CFD-Programmpaketen. Ich wage zu bezweifeln, dass ein Anf\u00e4nger mit diesen mit ungef\u00e4hr 10 &#8211; 20 Zeilen Eingabe eine geometrische einfache Brandsimulation erstellen kann. Auch habe ich f\u00fcr diese noch kein <em>systematisch<\/em> ver\u00f6ffentlichtes V&amp;V-Paket mit Bezug auf den Brandschutz gesehen, das im Umfang mit dem von FDS mithalten kann und eine nennenswerte Nutzerschaft im Interessengebiet Brandsimulation ist mir auch unbekannt. Letztendlich zielt FDS anders als viele andere Programme genau auf den Anwenderkreis der Brandschutzingenieure. Als ein solcher bin ich dankbar daf\u00fcr, dass die Entwickler mich von der Aufgabe entbinden bspw. aus zehn verschiedenen Turbulenzmodellen w\u00e4hlen zu m\u00fcssen, um qualitativ hochwertige Ergebnisse erzielen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p align=\"left\">Nicht zuletzt machen die Randbedingungen bei der Nutzung von FDS das Programm auch f\u00fcr Hochschulen sehr interessant, was letztendlich dazu f\u00fchrt, dass Brandschutzingenieure tendenziell mit FDS umgehen k\u00f6nnen und, hier sind wir uns hoffentlich alle einig: gemessen an der gro\u00dfen Masse der Anwender liegen die Probleme bei der Anwendung von CFD-Programmen im Brandschutz heute vielfach beim Anwender, nicht beim verwendeten Programm.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong><br \/>\nWarum dieser Kommentar?<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Der Leser dieser Zeilen wird es bereits gemerkt haben, wenn nicht gebe ich es hier freiwillig zu, das Fazit des Vortrages hat mich pers\u00f6nlich ein wenig ge\u00e4rgert. Hierf\u00fcr gibt es im Wesentlichen drei Gr\u00fcnde:<\/p>\n<ol>\n<li>Provokante Schl\u00fcsse zu ziehen ist ein probates Mittel, um das manchmal dr\u00f6ge Themengebiet der numerischen Simulation der Ausbreitung von Verbrennungsprodukten griffig zu vermitteln. Das machen viele Vortragende (in der FDS-Usergroup fallen mir hier auf die schnelle beispielsweise Herr Rogsch, Frau Dr. Kilian oder Herr M\u00fcnch ein, deren Arbeiten an bzw. zu FDS von mir genau so sehr gesch\u00e4tzt werden wie ihr Vortragsstil) und daran gibt es nichts auszusetzen. Ein signifikanter Unterschied zu der Arbeit von Herrn Prof. Krause ist der, dass alle 3 Vorgenannten signifikante Beitr\u00e4ge zur Entwicklung von FDS beigetragen haben und FDS auch dank ihnen heute besser ist als noch vor einigen Jahren, wovon wiederum alle Anwender und auch die Entwickler profitieren. Die Ergebnisse der vorgestellten Arbeit sind in der pr\u00e4sentierten Form jedoch weitgehend wertlos und inhaltsfrei. Die Pr\u00e4sentation selber ist eher kritisierenswert als das kritisierte Programm. Eine Verbesserung kritikw\u00fcrdiger Punkte l\u00e4sst sich so nicht erreichen.<\/li>\n<li>Will man dass Fazit seiner Arbeit unbedingt in solch provokanter Form \u00e4u\u00dfern, sollte man meiner Meinung nach darauf achten, dass man sich im Vorfeld durch eine saubere Aufarbeitung der durchgef\u00fchrten Arbeit und eine aussagekr\u00e4ftige Auswertung der Ergebnisse absichert. Weniger ist hier manchmal mehr. Tut man das nicht und macht sich angreifbar bzw. \u00e4u\u00dfert weitgehend wertlosen Allgemeinplatz als vernichtendes Ergebnis, k\u00f6nnte der ein oder andere auf die Idee kommen, dass es gar nicht um das Ergebnis, sondern um &#8222;<em>15-Minutes-of-Fame<\/em>&#8220; geht. Vor diesem Hintergrund wirkt der Vergleich der Arbeit von wahrscheinlich mehreren hundert\u00a0Softwareentwicklern und Mathematikern auf der einen und einer handvoll Entwickler auf der anderen Seite auf mich pers\u00f6nlich deplatziert und unangemessen. Vor allem gilt dies, wenn der Autor eines solchen Vortrags selber damit nichts zur Verbesserung von FDS beitr\u00e4gt.<\/li>\n<li>Die Entwickler von FDS und jeder ambitionierte Anwender wissen um die Limitierungen von FDS und zumindest die Entwickler arbeiten hart, mit sehr viel pers\u00f6nlichem Engagement, an der stetigen Verbesserung von FDS in vielen Bereichen. Wer die Entwicklung der vergangenen Jahre beobachtet hat, wei\u00df was hier geleistet wurde.<br \/>\nEin sehr wichtiges Werkzeug hierf\u00fcr war und ist die wissenschaftlich saubere Analyse der einzelnen Modelle und deren Auswirkung auf die praktisch relevanten Ergebnisse.<br \/>\nEine sehr wichtige Funktion kam hierbei in den vergangenen Jahren den verschiedenen Hochschulen zu, was wiederum durch die offenen Randbedingungen bei der Anwendung von FDS unterst\u00fctzt wurde.<br \/>\nWenn nunmehr der Vortrag eines Vertreters einer namhaften deutschen Hochschule es schafft, alle oben genannten Kritikpunkte in sich zu vereinen ohne einen Impuls zu einer Verbesserung von FDS zu geben, empfinde ich es mit Blick nach Magdeburg als schade, dass eine renommierte Hochschule ihr Potential so vergeudet.<\/li>\n<\/ol>\n<p align=\"left\"><strong><br \/>\nProbleme mit Ingenieurmethoden<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">In Wirklichkeit liegen unsere Probleme bei der Sicherung von Qualit\u00e4t bei der Anwendung von numerischen Ingenieurmethoden des Brandschutzes aber auch (nicht nur) an anderer Stelle:<\/p>\n<ul>\n<li>es gibt aktuell schlicht kein durchg\u00e4ngiges System der Qualit\u00e4tssicherung bei der Anwendung von numerischen Ingenieurmethoden,<\/li>\n<li>von einer fachlich qualifizierten Pr\u00fcfung auf Augenh\u00f6he kann keine Rede sein,<\/li>\n<li>das Fehlen quantitativer Vorgaben zu den Randbedingungen macht aus den Ingenieurmethoden h\u00e4ufig Verhandlungssache und<\/li>\n<li>auch wenn mittlerweile einige Hochschulen das Themengebiet der Brandsimulation auf dem Lehrplan haben, kommen hier in der Regel ganz sicher keine fertig ausgebildeten Ingenieure von den Hochschulen (Ausnahmen best\u00e4tigen die Regel) und die weiterf\u00fchrende fachliche Qualifikation in diesem Spezialgebiet bedarf nach wie vor eines hohen pers\u00f6nlichen Einsatzes.<\/li>\n<\/ul>\n<p align=\"left\">Zusammenfassend muss man leider mit Blick auf den diskutierten Vortrag Folgendes sagen:<\/p>\n<p align=\"left\">Der Vortrag enth\u00e4lt<\/p>\n<ul>\n<li>viel Triviales (Abrisskanten haben Einfluss auf die Str\u00f6mung, nicht n\u00e4her quantifiziert und ausschlie\u00dflich anhand eines Bildes aufgezeigt)<\/li>\n<li>einige nicht n\u00e4her dargelegten Behauptungen (&#8222;<em>Smokeview retro<\/em>&#8222;)<\/li>\n<li>unn\u00f6tig Provokantes (Audi und Trabant)<\/li>\n<li>unsaubere Auswertungen (mehrfach unterschiedlich skalierte Diagramme, die auch noch falsch ausgewertet werden)<\/li>\n<li>und schlichtweg unsinnige bzw. falsche Behauptungen (keine Einstellm\u00f6glichkeiten des Str\u00f6mungsl\u00f6sers).<\/li>\n<\/ul>\n<p align=\"left\">Die ausgezeichnete Arbeit von Herrn Rabe als Grundlage f\u00fcr den Vortrag liegt mir leider nicht vor, so dass ich hierzu nichts sagen kann.<\/p>\n<p align=\"left\">Wie ernst das Fazit von Herrn Prof. Krause hinsichtlich FDS genommen werden kann, muss vor diesem Hintergrund jeder f\u00fcr sich entscheiden.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong><br \/>\nEine pers\u00f6nliche Anmerkung:<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Auch wenn ich meine Kritik am Vortrag von Herrn Prof. Krause (ausdr\u00fccklich nicht an der Arbeit von Herrn Rabe, diese liegt mir nicht vor) durchaus launisch formuliert habe, m\u00f6chte ich nicht missverstanden werden. Leider ergab sich noch nicht die M\u00f6glichkeit, Herrn Prof. Krause pers\u00f6nlich kennenzulernen. Vor dem Hintergrund seiner <a href=\"http:\/\/www.iaut.ovgu.de\/Lehrst%C3%BChle\/Anlagentechnik+und+Anlagensicherheit\/Mitarbeiter\/Prof_+U_+Krause-kat-vita.html\">Vita<\/a> halte ich es f\u00fcr nahezu ausgeschlossen, dass er alle genannten Kritikpunkte an seinem Vortrag nicht h\u00e4tte besser l\u00f6sen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p align=\"left\">Der Kern des Problems liegt oft an anderer Stelle: ein guter Vortrag kostet eine Menge Zeit. Was liegt da n\u00e4her als auf die ausgezeichnete Arbeit eines Studenten zur\u00fcckzugreifen und diese pers\u00f6nlich souver\u00e4n und provokant aufgepeppt zu pr\u00e4sentieren? Wenn Herr Prof. Krause sich im Voraus schon selber entschuldigt, dass er nicht mehr die Zeit gehabt hat, den Vortrag sprachlich zu homogenisieren (&#8222;<em>Ich bitte um Nachsicht: Languages sind a little bit durcheinander mixed-up.<\/em>&#8222;), k\u00f6nnte man diesen Verdacht hegen. Ob das Ergebnis in diesem Fall ein befriedigendes Niveau erreicht, lasse ich offen.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong><br \/>\nQuellenangaben:<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">[1] Frederik Rabe, Ulrich Krause, 6. Anwendertreffen der FDS-Usergroup, 15. bis 16.11.2012, Berlin, Tagungsband &#8211; Zusammenstellung der Vortr\u00e4ge, &#8222;Validierungsrechnungen f\u00fcr ANSYS CFX und FDS anhand eines spezifischen Brandszenarios&#8220;<\/p>\n<p align=\"left\">[2] Frederik Rabe, Anja Hofmann, Ulrich Krause, &#8222;<a title=\"Vergleich von Computational Fluid Dynamics-Programmen in der Anwendung auf Brandszenarien in Geb\u00e4uden\" href=\"http:\/\/www.vfdb.de\/download\/MagdeburgWorkshop2010\/Rabe_vfdb2010l.pdf\">Vergleich von Computational Fluid Dynamics-Programmen in der Anwendung auf Brandszenarien in Geb\u00e4uden<\/a>&#8222;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In seinem Bericht \u00fcber das 6. Treffen der FDS-Usergroup in Berlin fasste Gregor J\u00e4ger die einzelnen Vortr\u00e4ge der Referenten zusammen und bewirkt zumindest mit dem Fazit eines Vortrages (&#8222;Validierungsrechnungen f\u00fcr ANSYS CFX und FDS anhand<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-3914","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-fds"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.f-sim.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3914","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.f-sim.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.f-sim.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.f-sim.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.f-sim.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3914"}],"version-history":[{"count":55,"href":"https:\/\/www.f-sim.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3914\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4102,"href":"https:\/\/www.f-sim.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3914\/revisions\/4102"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.f-sim.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3914"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.f-sim.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3914"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.f-sim.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3914"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}