Plausibilität von Evakuierungssimulationen

Im Rahmen der brandschutztechnischen Beurteilung von Neu- und Bestandsbauten, insbesondere bei der Beurteilung von Sonderbauten, werden zunehmend computergestützte Simulationen eingesetzt. Zum Nachweis der ausreichenden Fluchtmöglichkeit von Personen aus Gebäuden oder baulichen Anlagen werden seit einiger Zeit auch Evakuierungssimulationen verwendet. Einen Überblick über die derzeit auf dem Markt befindlichen Programme bietet beispielsweise das Review of Building Evacuation Models (NIST Technical Note 1471, 2005) oder Erica Kuligowski im Kapitel „Computer Evacuation Models for Buildings“ (section 3 chapter 17) der aktuellen vierten Auflage des SFPE Handbook of Fire Protection Engineering.

Die alternativen Bemessungs- bzw. Beurteilungsverfahren im Vergleich zum deskriptiven Baurecht werden von Genehmigungsbehörden eher skeptisch gesehen. Eine kritische Beurteilung der vorgelegten Nachweise ist aufgrund der Vielfalt der Dokumentationen der durchgeführten Berechnungen und der noch geringen Erfahrungen bei Verwendung dieser Verfahren derzeit nur bedingt möglich. Seit einigen Jahren versuchen nun Vertreter von Behörden, Ingenieuren und Forschungseinrichtungen im Rahmen des RiMEA-Projektes Richtlinien zur Anwendung und Beurteilung von Entfluchtungssimulationen zu entwickeln.

Seit rund einem Jahr findet sich nun im Anhang der RiMEA-Richtlinie eine Gliederungsstruktur für eine Evakuierungsanalyse/ -gutachten, die im Rahmen eines Genehmigungsverfahrens eine Beurteilung seitens der Behörde erleichtern soll. Durch Einhaltung von formalen Kriterien sinkt die Wahrscheinlichkeit von Gutachten mit bunten Bildern und Animationen. Weitere Anhaltspunkte bieten, falls veröffentlicht, die programmspezifischen Auswertungen der im Anhang der Richtlinie aufgeführten Testfälle.

Eine weitere Möglichkeit zur überschlagsmäßigen Prüfung der vorgelegten brandschutztechnischen Beurteilungen stellen Holl und Seyfried in einem Artikel der aktuellen Ausgabe der vfdb-Zeitung (Heft 1/2010, S. 31-37) vor. Zur Prüfung der Plausibilität ziehen die Autoren Kennwerte für die freie Gehgeschwindigkeit und den spezifischen Personenfluss heran. Am Beispiel der Evakuierung eines Bauwerks auf einer Ebene wird der Plausibilitätstest zur Abschätzung der Evakuierungszeit mittels der Berechnung über die mittlere freie Gehgeschwindigkeit und den spezifischen Personenfluss vorgestellt.

Es ist zu hoffen, dass dies nur den Auftakt einer Entwicklungsreihe von Werkzeugen darstellt, um die Akzeptanz von Ingenieurverfahren im Rahmen von Genehmigungsverfahren zu erhöhen und das Vertrauen in bereits seit einiger Zeit angewendeten Methoden zu stärken.

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