FDS+Evac: Wahl des Laufweges – Teil II

Basierend auf den Anregungen zum Beitrag „FDS+Evac: Wahl des Laufweges“ wurden in den vergangenen Wochen noch einmal verschiedene Fälle untersucht.

Für eine Aussage über die Wahl des Weges wurde jeweils nur eine bzw. vier Personen im Raum positioniert. In Abhängigkeit der Ausgangsposition der Person(en) im Raum erfolgte die Wahl des linken (innen) oder rechten (außen) Weges.

Geometrie

Wahl des Laufweges in Abhängigkeit von der Gitterweite
Beim Vergleich der Ergebnisse von verschiedenen Ausgangspositionen im Raum fiel auf, dass bei einer Gitterweite von 20 cm die Wahl des Weges zwischen der rechten und linken Variante etwa gleichmäßig erfolgte. Dagegen wurde bei gleicher Ausgangsposition bei einer Gitterweite von 25 cm nur ein (rechts bzw. links) Weg gewählt. Hieraus lässt sich vermuten, dass bei der Wahl des Ausgangs die gewählte Gitterweite einen gewissen Einfluss hat. Wie groß dieser Einfluss ist, kann schwer gesagt werden. Die benötigte Zeit, bis die letzte Person den Ausgang erreicht hat, war in beiden Fällen etwa gleich lang. Weiterhin stellt sich die Frage, ob diese Unterschiede überhaupt bei der abschließenden Beurteilung der Gesamtentfluchtungsdauer ins Gewicht fallen.

Wahl des Laufweges in Abhängigkeit von der Anzahl, dem Verhalten und der Position anderer Personen
Befinden sich mehrere Personen im Raum, so ist die Wahl des Weges einer Person neben der Ausgangsposition auch von dem Verhalten und der Position der anderen Personen im Raum abhängig. Betreten die Personen den Raum in einem gleichmäßigen Abstand den Raum wird in Abhängigkeit der Frequenz der gleiche Weg gewählt. Bei einer höheren Frequenzen werden unabhängig von der Gitterweite beide Wege gewählt.

Fazit
Gemäß der Definition von Christian Rogsch liegt ein „quickest path“ vor, wenn beide Wege benutzt werden. Hierbei ist es aber wichtig, dass vor dem linken Weg erst ein Stau entstehen muss und dann die Personen auch den rechten Weg verwenden.

In Bezug auf die Ausgangsfrage ob in FDS+Evac der schnellste oder kürzeste Weg gewählt wird, lässt sich festhalten:
Die Ergebnisse mit FDS+Evac 2.2.1 zeigen, dass ein reiner „quickest path“ Algorithmus nicht implementiert ist. Die Wahl des Alternativweges beginnt teilweise schon vor Entstehung eines Staus. Dies begründet sich mit dem in FDS+Evac implementierten Algorithmus für die Wahl des Ausgangs. Die Wahl des Ausgangs erfolgt danach als ein Optimierungsproblem in Abhängigkeit der Entfernung zum Ausgang, dem Verhalten und der Position anderer Personen im Raum. Ziel der Optimierung ist es, in kürzester Zeit einen Ausgang zu erreichen. Die Wahl hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab, die in einem eigenen Beitrag in den kommenden Tagen näher beleuchtet werden.

Die Ergebnisse lassen vermuten, dass bei der Wahl des Ausgangs die gewählte Gitterweite einen gewissen Einfluss hat. Es stellt sich die Frage, wie die unterschiedlichen Ergebnisse aufgrund der gewählten Gitterweite bei der abschließenden Beurteilung der Gesamtentfluchtungsdauer einfließen sollten. Ist der Unterschied bei der Beurteilung zu berücksichtigen oder kann dies aufgrund weiterer Einflussfaktoren (Stauung, Engstellen, Personenverhalten, etc.) bei der Gesamtbeurteilung als eine Art „Grundrauschen“ vernachlässigt werden?

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