FDS Usergroup: 6. Anwendertreffen

Am 15. und 16. November trafen sich rund 40 Mitglieder der FDS Usergroup zum sechsten Anwendertreffen in Berlin. Bei dem in den Räumen von hhpberlin stattgefundenen Treffen standen erstmals themenbezogene Vortragsblöcke und die gemeinsame Weiterarbeit am Leitfaden im Mittelpunkt.

Zusammenfassung der Vortragsreihe
Den Auftakt bildeten Vorträge von Dr. Forell (GRS) und Dr. Schneider (IST GmbH) zum Themenkomplex der Personensicherheit. Neben Grundlagen zum allgemeinen Nachweisverfahren der Personensicherheit wurde die Bestimmung von Sicht- und Erkennungsweiten im Rahmen einer CFD- Analyse vorgestellt. Im Anschluss an die Mittagspause referierte Dr. Vischer (Wijnveld Ingenieure) über die grundsätzlichen Möglichkeiten und Grenzen der Modellierung von Bränden und Brandszenarien am Beispiel des Brandsimulationsprogramms FDS. Mit dem provokanten Titel „Die Brandsimulation: Zwischen Glaskugel und Wissenschaft?“ zeigte Herr Münch (INURI GmbH – Interessengruppe Numerische Risikoanalyse) das Spannungsfeld zwischen Wunsch und Wirklichkeit bei der Anwendung des Brandsimulationsprogramms FDS. Fälschlicherweise wird immer wieder bei Anwendung von Brandsimulationsprogrammen geschrieben bzw. erläutert, dass es sich um eine Berechnung der Verbrennung handelt. Dieser komplexe Vorgang lässt sich, wenn überhaupt, derzeit nur in sehr feiner Diskretisierung berechnen. Vielmehr bedient man sich der Berechnung der Ausbreitung von Anteilen der Verbrennungsprodukte im Raum bzw. im Berechnungsgebiet und deren Konzentrationsbestimmung.

Am zweiten Tag berichtete Prof. Krause (Universität Magdeburg) von Validierungsrechnungen mit den Programmen ANSYS CFX und FDS. Gegenstand des im Rahmen der Masterarbeit von Herrn Rabe an der Beuth Hochschule für Technik in Berlin durchgeführten Vergleich war die am NIST unter der Bezeichnung Dunes 2000 Experiments durchgeführte Versuchsreihe (NIST TN 1455-1). Aus den Ergebnissen der Untersuchung zog Prof. Krause die These, dass die heute zur Verfügung stehenden Programme ANSYS CFX mit einem Fahrzeug der Marke Audi und das Programm FDS mit einem Auto der Marke Trabant vergleichbar sind. Wie Autoliebhaber mögen Ingenieure für ihre favorisierte Programme entspreche Vor- und Nachteile parat liegen haben. Letztlich kommt es darauf an, welches Ziel man auf welchem Weg erreichen möchte und bekanntlich führen viele Wege nach Rom. Im zweiten Vortrag des zweiten Tages stellte Prof. Husted von der Hochschule Stord in Haugesund, Norwegen, die in der kommenden Version 6 von FDS enthaltenen Turbulenzmodelle vor. Anhand eines Validierungsbeispiels zeigte er u.a. die Auswirkungen auf die Laufzeit. Am Ende seines Vortrages gab er noch interessante Einblicke in ein aktuelles Forschungsprojekt seiner Arbeitsgruppe. Bereits in seinem Vortrag im Rahmen des 5. FDS Usergroup Treffen im vergangenen Jahr stellte Prof. Husted die Ergebnisse einer Versuchsreihe eines Brandes in einem luftdurchströmten Schacht (Comparison of Shaft Fire Experiment and CFD Modelling) vor. In Folge zahlreicher Rückmeldung bei verschiedenen Fachtagungen wurde in den vergangenen Monaten der Versuchsaufbau modifiziert, um die Randbedingungen noch besser einstellen zu können und entsprechende Störungen zu vermeiden. In den nächsten Wochen werden die Brandversuche wiederholt und bereits heute darf man auf die Ergebnisse gespannt sein. Frau Dr. Kilian (hhpberlin) präsentierte in Ihrem Vortrag ihre Arbeitsergebnisse zur Verbesserung bzw. Implementierung eines alternativen Drucklöserverfahrens in FDS. Frau Kilian zeigte anschaulich am Beispiel des Drucklöserverfahrens, dass die Lösung eines Problems den Fokus auf weitere überarbeitungs- und optimierungsbedürftige Module lenkt. Schwarzmalerei sei ein dieser Stelle dennoch fehl am Platz. Zeigt es sich doch, dass eine regelmäßige Verifizierung die Grundlage für die Validierung der zugrundeliegenden physikalischen Modelle nicht nur bei einem Brandsimulationsprogramm bildet.

Am Ende der Vortragsreihe stellten Herr Schünke und Herr Truthän (hhpberlin) das Projekt Fire Framework vor. Wie bereits an dieser Stelle im im März 2011 und vor wenigen Wochen beschriebenen Möglichkeit der Durchführung von Brandsimulationsberechnungen in der Cloud, wird derzeit u.a. in Zusammenarbeit mit der Firma Microsoft an einem Paket zur Optimierung des Arbeitsprozesses bei der Durchführung von Brandsimulationen gearbeitet. Neben der Durchführung von Berechnungen in der Cloud (FireSim) wird an einem Werkzeug zur Analyse (fireAnalytics) von Simulationen und einem Werkzeug zur Unterstützung in der Datenvorbereitung (FireModeler) gearbeitet. Mit einer Beta-Version des Projektes ist im Februar/ März 2013 zu rechnen. Man darf gespannt sein …

Leitfaden = Leidfaden?
Dem Programm konnte man bereits entnehmen, dass für die gemeinsame Bearbeitung des Leitfadens im Rahmen des 6. FDS Usergroup Treffens jeweils größere Zeitfenster vorgesehen waren. Zu Beginn des ersten Blocks stellte Herr Müller (Halfkann+Kirchner) den aktuellen Stand der Bearbeitung vor, dessen Inhalt im Wesentlichen im Rahmen des Kölner Treffens im Sommer diesen Jahres entstanden ist. Die in den vergangenen Monaten scheinbar in einem Dornröschenschlaf schlummernde Bearbeitung wurde durch eine für viele Beteiligte ungewöhnliche Arbeits- und Diskussionskultur für eine (hoffentlich) erfolgreiche Fortführung wachgeküsst. Die Ergebnisse dieser intensiven Auseinandersetzung soll in den kommenden Tagen allen Mitgliedern über die Plattform shareideas.de zur Verfügung gestellt werden. Bereits beim gemütlichen Teil des diesjährigen Treffens im bayrischen Wirtshaus Weihenstephaner Berlin wurden erste Ideen für den Umgang mit den erzielten Ergebnissen für die weitere Entwicklung gesammelt. Am Ende des diesjährigen Treffens wurden in einer leidenschaftlich und dennoch konstruktiv geführten Diskussion nach Lösungsmöglichkeiten zu den drängenden Fragen über die Zielgruppe bzw. die Form und Herausgeberschaft des Leitfadens gesucht.

In den kommenden Tagen sollen die gefundenen Lösungsvorschläge zur Abstimmung in der FDS Usergroup auf der Plattform shareideas.de gestellt werden (Update am 21.11.2012: Eine Zusammenfassung findet sich nun im Forum). Durch Einsatz des seit einem Jahr bereits durch die Plattform zur Verfügung stehenden Umfrage- und Abstimmungstools soll nun eine tragfähige Grundlage für die weitere Bearbeitung des Leitfadens geschaffen werden. In den Diskussionen des diesjährigen Treffens zeigte sich, dass es für die Bearbeitung nicht nur „das eine“ Ziel gibt, sondern mit dem Leitfaden unterschiedliche Erwartungen verknüpft sind. Die nun folgenden Abstimmungen sollen die Grundlage für die gemeinsame Bearbeitung in den kommenden Monaten liefern. Die Frage nach der Herausgeberschaft soll ebenfalls auf diesem Weg geklärt werden, damit diese berechtigte Thematik nicht die inhaltliche gemeinsame Arbeit weiter behindert bzw. lähmt. Der derzeit vorherrschenden Lethargie bei der Bearbeitung soll durch Festlegung von definierten Zeitfenstern für einzelne Kapitel und Abschnitte entgegen gewirkt werden.

Nun ist jedes einzelne Mitglied persönlich gefragt und aufgerufen, sich mit seinen Vorstellungen, Wünschen und Fähigkeiten einzubringen.

Welche Erwartungen, Wünsche und Vorstellungen haben Sie? Diskutieren Sie mit! In den Kommentaren unter diesem Beitrag oder auf der Plattform shareideas.de ist Platz für Ihre Meinung!

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